Die Luft in Braunschweig soll sauberer werden. Die Stadt Braunschweig hat hierzu einen Luftreinhalteplan entworfen, der im August diesen Jahres öffentlich auslag. Bürgerinnen und Bürger waren aufgefordert, zu diesem Plan Stellung zu beziehen.
Der ADFC begrüßt in seiner Stellungnahme die im Entwurf des Luftreinhalteplans formulierten Maßnahmen, ist allerdings der Meinung, dass insbesondere für die Förderung des Radverkehrs deutlich mehr unternommen werden muss. Radfahren ist neben zu Fuß gehen schließlich die Fortbewegungsart, bei der die Luft überhaupt nicht verunreinigt wird. Zusätzlich zeichnet sich die Förderung des Radverkehrs durch ein sehr gutes Kosten / Nutzen-Verhältnis aus. Aus diesem Grund ist es für den ADFC nicht nachzuvollziehen, dass diesem Thema in dem Entwurf des Luftreinhalteplanes eine relativ geringe Wichtigkeit beigemessen wird.
Ziel muss es nach Ansicht des ADFC sein, den Radverkehrsanteil in Braunschweig in den nächsten fünf Jahren zu verdoppeln. Dies soll insbesondere durch den Ausbau und die Modernisierung der Radverkehrsinfrastruktur, bessere Ampelschaltungen und eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit erreicht werden. Die Vorsitzende des ADFC Sabine Kluth: „Die Braunschweiger Bürgerinnen und Bürger müssen begeistert werden ihre lebendige Stadt mit dem Fahrrad zu entdecken. Emotionen müssen transportiert werden. Radfahren macht Spaß!“
Ziel muss es sein, ein Radroutennetz mit hohem Ausbaustandard zu schaffen, welches die wesentlichen Ziele innerhalb der Stadt und ins Braunschweiger Umland miteinander verbindet. Je nach örtlicher Situation wird der Radfahrer auf der Fahrbahn durch Tempo-30 Straßen, über Radwege oder Radfahrstreifen geführt. An den Zielen ermöglichen hochwertige Abstellanlagen ein sicheres Anschließen des Fahrrades. Das Radroutennetz soll flächendeckend ausgeschildert werden.
Bei den Ampelschaltungen fordert der ADFC gleiche Grünzeiten für Radfahrer wie für den in gleiche Richtung fahrenden Autoverkehr. Die massive Benachteiligung des Radverkehrs gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern in Braunschweig muss endlich ein Ende haben.
„Zahlreiche der Braunschweiger Radwege stammen noch aus den 60er und 70er Jahren und entsprechen nicht mehr den Anforderungen an ein modernes Radverkehrsnetz. Daher muss der Schwerpunkt in den nächsten Jahren auf den Umbau vorhandener Radwege gelegt werden,“ so der Vorsitzende des ADFC Dr. Jens Schütte: „Hierfür müssen die Finanzmittel der nächsten Jahre deutlich aufgestockt werden. Wir halten es für notwendig jährlich 1,5 Mio Euro in die Radverkehrsinfrastruktur zu investieren.“
Es gibt allerdings auch noch eine Reihe von Möglichkeiten, ohne große Investitionen, den Radverkehr zu fördern. Der ADFC schlägt u. a. vor, in den nächsten drei Jahren 10 km Fahrradstraßen einzurichten. Auch die Möglichkeit der Markierung von Radfahrstreifen auf der Fahrbahn wird in Braunschweig bislang nicht genutzt. Beides Lösungen, die in anderen Städten seit Jahren erfolgreich zur Förderung des Radverkehrs eingesetzt werden.
Unverständnis ruft beim ADFC die Zurückstellung der Einführung eines Tempolimits in der Innenstadt hervor. Nur die Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit und auf die Lärmbelastung seien nachgewiesen. Die Effekte eines Tempolimits zur Luftreinhaltung seien allerdings strittig, so die Begründung der Stadt. Diese Begründung greift nach Ansicht des ADFC zu kurz, da hier nur die direkten Auswirkungen (Schadstoffausstoß der Kraftfahrzeuge) betrachtet werden. Unberücksichtigt bleibt hingegen, dass ein Tempolimit deutliche Auswirkungen auf die Verkehrsmittelwahl hat und damit wiederum auf die Luftreinhaltung. Dort, wo langsam gefahren wird, fahren mehr Leute mit dem Fahrrad oder gehen zu Fuß. Dies ist auch in einem Forschungsvorhaben des Umweltbundesamtes belegt worden. Daher fordert der ADFC, dass auch in der Innenstadt Tempo-30 Zonen eingerichtet werden.
Interessierte können sich die vollständige Stellungnahme des ADFC hier herunterladen:
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