Fahrradschulen in Braunschweig
23.11.2007

Für die meisten der PedaLeo-Leser ist es sicherlich selbstverständlich, dass man als Erwachsener Fahrrad fahren kann. Einmal als Kind gelernt, und dann kann man das einfach.

Aber es gibt auch Erwachsene, die als Kind das Fahrradfahren eben nicht gelernt haben, weil sie zum Beispiel nie ein eigenes Fahrrad besessen haben oder aus einer Gegend kommen, wo das Fahrrad einfach nicht so populär ist.

Bereits seit dem Jahr 2003 bietet das Stadtteilbüro "plankontor" in Zusammenarbeit mit der Stadt Braunschweig unter dem Titel "Ladies on tour" Fahrradlernkurse für erwachsene Frauen an. Ein Grund für den ADFC, die Ansprechpartner des Projektes, Meral Ates von der Stadt Braunschweig und Yesim Cil vom Stadtteilbüro, nach ihren Erfahrungen zu fragen.

Die Idee, solche Fahrradlernkurse anzubieten ist aus der Arbeit mit Migrantinnen entstanden. Die Frauen sind eigentlich selber auf die Idee gekommen, das Fahrradfahren lernen zu wollen. Das Fahrrad ist einfach das kostengünstigste Verkehrsmittel, um die eigenen Wünsche nach Mobilität und Unabhängigkeit zu stillen. Für die ersten Kurse war noch kräftig Werbung nötig. Eine gewisse Hemmschwelle und ein wenig Ungewissheit mussten einfach überwunden werden. Werbung ist heute nicht mehr nötig. Allein durch Mundpropaganda sind die Kurse fast immer ausgebucht.

Ein Kurs besteht aus 10 Einzelterminen, die in der Regel einmal wöchentlich stattfinden. Los geht es dann mit ein wenig Theorie und Organisation. Dabei ist es ganz wichtig, die Teilnehmerinnen gleich zu Beginn zu motivieren, an allen Terminen teilzunehmen und die Sache nicht sofort hinzuwerfen, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt.

Aber gleich nach dem ersten Termin ist die graue Theorie vorbei. Auf großen Rollern für Erwachsene, die freundlicherweise von der Verkehrswacht Braunschweig zur Verfügung gestellt werden, geht es an die ersten Gleichgewichtsübungen auf zwei Rädern.

Bevor man dann das erste Mal auf ein 'richtiges' Fahrrad steigt, werden zunächst Licht und Bremsen geprüft, anschließend geht es an die Einstellung von Sattel und Lenker. Dabei sind die Herren des Projektes 'Anti-Rost' immer gerne behilflich. Mit der richtigen Einstellung kann es dann losgehen.

Mit der Hilfe von Frau Cil und Frau Ates, die bei den ersten Fahrversuchen

noch ein wenig stützen und mit den guten Tipps des Polizisten Herrn Burscheppers, geht es dann aber sehr schnell und die Teilnehmer sitzen alleine im Sattel. Es ist schon interessant, was man alles auf einmal machen muss: Das Gleichgewicht halten, nach vorne schauen, den Lenker festhalten, und dabei darf man das Treten dann auch nicht vergessen.

Nun muss es aber auch noch gelingen, das Rad schnell und vor allen Dingen sicher wieder zum Stehen zu bekommen. Das ist meistens etwas schwieriger als das Fahren selber, aber nach einigen Trainigsparcours stellt auch das Anhalten kein großes Pro-blem mehr dar.

Gegen Ende des Kurses hat bisher jede Teilnehmerin die kleine theoretische und praktische Prüfung erfolgreich gemeistert und das begehrte Teilnahmezertifikat

erhalten.

Viele der Teilnehmerinnen können sich das Fahrrad aus dem täglichen Leben nach dem Kurs gar nicht mehr wegdenken. Die täglichen Einkäufe, Besuche in Schule und Kindergarten werden wie selbstverständlich mit dem Rad erledigt, und sogar für den Wochenendausflug mit den Enkeln wird das Fahrrad genutzt.

Sogar kleine Radreisen werden im Anschluss an einen Kurs angeboten und finden unter den Teilnehmerinnen immer wieder regen Zuspruch.

Der nächste Fahrradlernkurs 'Ladies on Tour' startet voraussichtlich wieder im Herbst. Nähere Informationen dazu gibt es direkt beim Stadtteilbüro

"plankontor", Tel.: 0531/2801573.